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Osterhofener Zeitung vom 07.03.2019

Das große Wandern

Amphibien auf dem Weg zu Laichgewässern – Einsicht der Verkehrsteilnehmer gefragt

 - Gerettet: Diese Erdkröten können unversehrt auf der anderen Straßenseite aus dem Falleimer klettern und zu ihren Laichgewässern gelangen. −Foto: Kestel
Gerettet: Diese Erdkröten können unversehrt auf der anderen Straßenseite aus dem Falleimer klettern und zu ihren Laichgewässern gelangen. −Foto: Kestel

Osterhofen. Der Frühling kommt. Und mit den nun ansteigenden Temperaturen und dem Regen erwacht in vielen Amphibien der Drang, zu ihrem Geburtsort zurückzukehren und in diesen Gewässern selbst ihren Laich abzulegen. Dafür überqueren sie selbst vielbefahrene Straßen – und das endet für sie oft tödlich. Deshalb errichten derzeit viele Freiwillige von Bund Naturschutz und Wasserwacht Schutzzäune an den Straßenrändern.

Das große Massaker in Aicha ist beendet: Dort waren alljährlich hunderte von Kröten durch das ganze Dorf, quer durch Gärten und über den Friedhof bis zum Altwasser gepilgert, schildert Karsten Wirler, 2. Vorsitzender der Wasserwacht Osterhofen. Die Amphibien hatten auf der Straße kaum Überlebens-Chancen. Doch seit vergangenem Jahr wird hinter dem Fußballplatz am Wald ein etwa 400 Meter langer Zaun aufgebaut. Letztes Jahr wurden fast 700 Tiere gerettet. Heuer rechnet Wirler mit deutlich mehr: Der Zaun wurde letzte Woche am Mittwoch aufgebaut, alleine am Freitag sammelten die Ehrenamtlichen 500 Kröten in den Eimern ein und brachten sie sicher ans Gewässer. Zweimal täglich wird der Abschnitt von Familie Lauerer kontrolliert.

Auf gut 600 Meter Länge hat der Kreisbauhof vergangenen Donnerstag den Zaun bei Forsthart aufgebaut. Hier kontrolliert die Wasserwacht Osterhofen, gestern war Karsten Wirler gegen 5.30 Uhr mit der Taschenlampe unterwegs, um die Tiere aus den Eimern zu holen und ans Wasser zu bringen. Zwei weitere Zäune im Stadtgebiet Osterhofen befinden sich am Ortseingang von Arbing und bei Mahd, sie betreut Fritz Hartl.

 - In Teamarbeit meisterten die Helfer der Wasserwacht Plattling bei Breitfeld den letzten Abschnitt des 600 Meter langen Zaunes für den Amphibienschutz. −Foto: Tauer
In Teamarbeit meisterten die Helfer der Wasserwacht Plattling bei Breitfeld den letzten Abschnitt des 600 Meter langen Zaunes für den Amphibienschutz. −Foto: Tauer

Seit zehn Jahren stellt die Wasserwacht Plattling in Breitfeld (Gemeinde Aholming) einen inzwischen 600 Meter langen Amphibienschutzzaun auf. Diesen Samstag haben dies 29 Wasserwachtmitglieder erledigt. Täglich wird um 8 Uhr und um 20 Uhr kontrolliert, mit der Umstellung auf die Sommerzeit um 21 Uhr. "So früh wie dieses Jahr waren wir noch nie dran, mit dem Aufbau des Zauns, aber die Natur richtet sich eben nicht nach dem Kalender und die ersten Erdkröten in den Eimern bestätigen dies", erläutert Naturschutzwart Jürgen Tauer.

Zehn Schwerpunkte im ganzen Landkreis700000 Amphibien können so in Bayern jedes Jahr vor dem Verkehrstod gerettet werden, weiß Tauer. Freiwillige helfen an rund 450 Straßenabschnitten den Tieren über die Straße, im Landkreis findet dies an zehn Schwerpunkten statt. Neben Wasserwacht, Bund Naturschutz und freiwilligen Helfern wird die Aktion unterstützt von Klaus Däuschinger von der Straßenmeisterei Deggendorf, Ingrid Jandl und Heinz Schott vom Landratsamt Deggendorf, Kreisvorsitzendem Georg Kestel vom Bund Naturschutz und Dipl. Biologe Alois Hofmann vom Naturpark Bayerischer Wald.

"Das Amphibienschutzprojekt in Aicha ist im letzten Jahr hinzugekommen – und hat sich auch in diesem Jahr bereits bewährt", erzählt Kreisvorsitzender Kestel. "Die Zäune dort und in Forsthart sind zusammen mit dem Ortsgebiet von Niederkandelbach mit jeweils 600 bis 700 Tieren die Spitzenreiter im Landkreis".

Für die Strecke bei Breitfeld hofft der BN auf den baldigen Bau des Ersatzfließgewässers bei Pielweichs. "Wir haben dort schon mehrere Anläufe für die Anlage eines Ersatzweihers genommen, da die Straßen-Querung zum jetzigen Laichbiotop nur sehr aufwändig zu sichern ist. Die Anläufe waren leider bisher ohne Erfolg. Eventuell ließe sich aber im Zusammenhang mit dem Ersatzfließgewässer an einer geeigneten Stelle ein Ersatztümpel mit unterbringen", hofft Kestel. Er selbst ist in Seebach für die Kontrollen unterwegs.

In Oblfing (Gemeinde Schöllnach) engagieren sich die Wanderfreunde, Zäune stehen außerdem noch in Kleineichberg und bei Hofstetten. Letzterer wird seit vielen Jahren vom Waldkindergarten Bernried zusammen mit der dortigen BN-Ortsgruppe betreut. In den einzelnen Bereichen werden in der Regel einige hundert Tiere gerettet. Meist handelt es sich um Erdkröte und Grasfrosch, weiß Georg Kestel. Durch die Sammelergebnisse lassen sich auch wichtige Daten über die Bestände und Entwicklungstrends gewinnen – die Amphibien nutzen vor allem Insekten als Nahrung und sind daher wie diese auf ein Mindestangebot an naturnahen Biotopflächen in der Landschaft angewiesen.

Naturschutzwart Jürgen Tauer appelliert an die Autofahrer, an Straßenabschnitten, die durch Krötenwarnschilder gekennzeichnet sind, langsam und vorausschauend zu fahren. Aufpassen sollen sie dabei nicht nur auf die Amphibien, die die Straßen überqueren, sondern auch auf die Helfer, die am Straßenrand für die Tiere einstehen. Auch an den nicht mit Zäunen gesicherten Straßenabschnitten, die an Teichen oder Feuchtgebieten vorbeiführen, bittet der Bund Naturschutz die Verkehrsteilnehmer darum, langsam und vorsichtig zu fahren.

Die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 Stundenkilometer hilft vor allem den Ehrenamtlichen, die die Zäune kontrollieren: Sie müssten oft einem starken Fahrt- und Sogwind standhalten, weiß Karsten Wirler von der Osterhofener Wasserwacht aus eigener Erfahrung. Er befürchtet, dass gerade in Forsthart ein Raser so den Zaun aus der Verankerung reißen könnte. Doch die Autofahrer sollten bedenken, dass die Zäune auch sie selbst schützen, weil die Fahrbahn nicht mehr durch die Tiere schmierig wird.

"Bleibt nur zu hoffen, dass die Temperaturen ansteigen und nachts mehr als sieben Grad Celsius erreichen", meint Jürgen Tauer. Ein warmer Frühjahrsregen wäre dazu optimal: "Dann würde es die Amphibien aus dem Winterschlaf reißen und die Wanderung könnte zügig über die Bühne gehen."Dem pflichtet Karsten Wirler bei: "Das große Wandern hat noch nicht stattgefunden." − gs/tau/oz

Artikel aus Osterhofener Zeitung vom 07.03.2019

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